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Er setzt den Blinker. Er will nicht nur die Autobahn hinter sich lassen, sondern auch die Fahrzeugströme, denen er seit 20 Minuten gefolgt war. Und die Gedanken. All die Gedanken, die er den Tag über mit sich herum getragen hatte. Über den Job. Was für ein Tag!
Die Sonne war schon fast verschwunden an diesem Spätsommertag und sie würde wohl komplett vom Firmament gefegt sein, wenn er endlich zu Hause ankam. Aber morgen ist Freitag und somit hätte eine weitere, anstrengende Woche ihr Ende gefunden. Aber das Heute war noch nicht vollends vorbei und mal ganz abgesehen von den Dingen, die er bis jetzt schon erreicht hatte, könnte es unerwarteterweise noch ein besonderer Tag werden...
Plötzlich klingelt es. Er drückt einen Knopf am Lenkrad und das Gesicht einer älteren Frau erscheint auf einem kleinen Monitor am Armaturenbrett.
"Hallo Mom."
"Oh, Junge du siehst so müde aus. Bist du noch immer nicht zu Hause? Warum machen sie sowas mit dir?"
"Och Mutti, ich mache das doch nicht jeden Tag, du weißt das! Es ist nur so, dass wir im Moment sehr viel zu tun haben."
"Und das ist der Grund, dass sie dir nicht erlauben, ein Leben zu haben?"
"Oh bitte, lass das! Wir haben das schon so oft besprochen."
"Nun gut, das ist sowieso nicht der Grund für meinen Anruf. Kommst du am Sonntag zum Abendessen?"
"Ich weiß nicht, ob ich die Zeit habe, Mom. Möglicherweise bin ich über das Wochenende beschäftigt."
"Dein Job?"
"Nein, also nicht hauptsächlich, eigentlich... naja, da gibt es ein paar andere Dinge, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen."
"Oh, triffst du dich möglicherweise mit jemandem? Vielleicht eine Verabredung? Komm' schon, gibt es da vielleicht ein Mädchen von dem Dein Vater und ich noch nichts wissen?"
"Oh mein Gott, nein, es ist nichts in der Richtung. Du weißt, dass ich viel zu beschäftigt bin."
"Du würdest uns doch sagen, wenn sich etwas anbahnt, nicht wahr?"
"<Seufzt> Natürlich würde ich das... Entschuldige, aber ich muss jetzt aufhören. Ich rufe euch morgen an, Ok?"
"Ja, gut. Setz' dich nur nicht selbst so unter Druck, versprich mir das Schatz!"
"Ich werd's versuchen. Danke! Tschüß."

„Scheiß Tür!“ Mit einem kräftigen Tritt setzt er den Mechanismus in Gang, der das Garagentor schließen sollte.
'Dieses verdammte Ding soll doch nur diese eine Sache machen und das Tor öffnen und schließen. Es gibt Tausende von Maschinen mit komplexeren Aufgaben und die geben nicht ständig den Geist auf." Eigentlich wollte er das ganze Tor schon letzten Monat auswechseln lassen, aber es war ihm dann wohl doch wieder etwas dazwischen gekommen. Und nun streikte das Ding schon zum zweiten Mal in dieser Woche. Manchmal dachte er bei sich, was wohl geschähe, wenn er mal plötzlich den Geist aufgibt. Aus dem System ausbricht, in das er eingefügt wurde. Aufhörte zu funktionieren. Würde man ihn dann einfach ersetzen?

Mit der Aktentasche in der Hand betritt er den Flur. Ein Blick auf die Wanduhr verrät ihm, dass es schon nach zehn ist. Er öffnet seine Aktentasche und wirft ein paar Briefe auf einen Stapel auf der Kommode, daneben steht ein völlig überfüllter Aktenordner mit der Aufschrift „Noch zu zahlen“. Er quält sich aus den viel zu engen Schuhen, als sich plötzlich jemand von hinten anschleicht.
„Guten Abend, Schatz!“
Er dreht sich erschrocken um, doch der Schreck weicht schnell der Freude und er lächelt die Frau an. „Guten Abend!“ „Du bist spät dran!“ „Ja , tut mir leid, aber in der Firma war wirklich die Hölle los, ich musste kurzfristig für morgen noch ein Meeting vorbereiten.“ Erst jetzt steigt ihm ein Duft aus der Küche in die Nase.
„Was gibt es denn?“
„Oh, ich habe Rindergulasch gemacht, dein Leibgericht. Komm, wir können sofort essen.“
-Beeindruckend!- schießt es ihm durch den Kopf. Er betritt die Küche.
„Guten Abend, Vati!“, schallt es ihm entgegen.
-Gleich zwei?-
Er runzelt kurz die Stirn, dann aber setzt er sich und legt den beiden Jungs die Hände auf die Schultern. „N’abend Jungs! Wie war euer Tag“ „Och, nichts besonderes, wir haben unser Zimmer aufgeräumt und Mutti ein bisschen bei der Wäsche geholfen.“ „Na ja, das wollten sie eigentlich aber dann haben sie nur neben der Maschine gesessen und das Bullauge angestarrt!“ Sie bringt einen Teller an den Tisch und stellt ihn ihrem Mann hin. „Und, wie war dein Tag, habt ihr den neuen Auftraggeber überzeugen können?“
Er nimmt einen Bissen vom Teller und lächelt zufrieden. „Ja, es war ganz schön was los, weil unsere Partner das ganze Unternehmen inspizieren wollten. Selbst der Chef war aufgeregt. Aber es scheint ihnen ganz gut gefallen zu haben, denn sie haben sofort einen Termin für das Meeting morgen früh angesetzt, um die Einzelheiten der Zusammenarbeit zu besprechen.“ „So schnell?“ „Ja, wir waren auch überrascht. Aber wenn das Projekt so anläuft wie geplant, dann werde ich die Leitung über die Projektgruppe übernehmen und die Beförderung ist mir dann auch sicher.“ „Das freut mich für dich.“ „Erinnere mich bitte, dass ich nächste Woche endlich dieses Garagentor reparieren lasse.“ Sie nickt ihm zu. „Und schmeckt es dir?“ „Ja, das Essen ist dir wirklich vorzüglich gelungen." Er zögert kurz. "Schatz.“ „Danke. Hast du heute Abend noch etwas vor?“ „Nein, ich werde nachher noch etwas Fernsehen, bevor ich mich hinlege. Ich bin todmüde.“ Sie verharrt für eine Sekunde regungslos, bevor sie antwortet. „Dann würde ich mich jetzt mit den Kindern zurückziehen, wenn du nichts dagegen hast, es war ein langer Tag besonders für die beiden.“ „Ja, natürlich ich zeig’ euch das Zimmer.“ Er steht auf und geht in einen kleinen Raum. Es gibt hier keinerlei Möbel oder Einrichtung bis auf drei Stühle mit langen Stromkabeln, gleißenden Leuchtröhren und Vertiefungen an den Lehnen. Ein leises aber deutlich hörbares Brummen erfüllt den Raum, vibriert in der Luft. „So, hier könnt ihr euch über Nacht aufladen. Wie lange dauert ein Ruhezyklus?“ „Etwa sechs Stunden.“ „Ah ja, na dann wünsche ich euch ein erholsame Nacht.“ Sie gibt ihm einen Kuss auf die Wange. „Schlaf gut Schatz.“ „Gute Nacht, Daddy!“ Die beiden Jungs setzen sich auf zwei der Stühle und erstarren, während die Lichter zu blinken beginnen. Mit einem kurzen Surren gleitet eine Art Metallkugel mit einem langen Draht aus der Lehne und verschwindet in den Ohren der Jungs. Er schaut sie etwas ungläubig an. „Es ist alles in Ordnung, geh’ ruhig!“ Er geht ins Wohnzimmer, während sie auf dem freien Stuhl Platz nimmt und ein letztes Mal zwinkert, bevor auch sie erstarrt. Er kommt ins Wohnzimmer und nimmt im Fernsehsessel Platz. Plötzlich blinkt eine kleine Lampe an einer Art Fernbedienung. Auf dem Fernsehbildschirm erscheint die Information „ANRUF“ gefolgt von einer 9-stelligen Nummer. Er drückt zwei Tasten auf der Fernbedienung und ein Gesicht erscheint auf dem Bildschirm.

„Guten Abend Herr Richardson! Ich hoffe sie sind mit unserem Produkt zufrieden?“
„Ja, sehr, sie sind so lebensecht! Ich kann es kaum glauben. Aber es wäre sehr viel angenehmer gewesen, wenn sie mich darüber informiert hätten, dass sie heute zu liefern gedenken. Ich habe nicht erwartet, dass es noch in dieser Woche passiert."
"Oh, ja, es tut mir wahnsinnig leid, aber da muß unserer Auslieferungsabteilung ein Fehler unterlaufen sein. Sie haben es einfach versäumt, sie darüber in Kenntnis zu setzen." "Nun ja, das ist schon ok. Aber da ist eine andere Sache: Es war nie von zwei Kindern die Rede?“
„Oh, wir haben zur Zeit ein Aktionsangebot, in dessen Genuss sie durch ihre Bestellung gekommen sind. Sie können das zweite Kind für drei Monate zur Ansicht behalten und sich dann entschließen, ob sie es zusätzlich erwerben möchten, natürlich zu einem speziell ermäßigten Preis möchte ich betonen. Aber wenn sie es wünsche, können sie es natürlich auch gleich wieder zurückgeben?“
„Mmmh, nein ich denke ich überlege es mir. Gibt es irgendetwas zu beachten?“
„Nun, in den mitgelieferten Gebrauchsanweisungen sind die wenigen zu beachtenden Punkte aufgeführt, darüber hinaus stehe ich ihnen natürlich 24h täglich zur Verfügung, wenn sich Fragen ergeben sollten. Aber unsere Androiden XP 24357 und die neuen Modelle der CHILD 6-Serie sind ausgiebig auf Fehleranfälligkeit geprüft worden und haben unsere strengen Kontrolle mit Bravour bestanden. Die Bedienung wurde im Vergleich zu den Vorgängermodellen nochmals verbessert, wobei wir den Änderungen die Ergebnisse einer dreijährigen Usability-Studie zugrunde gelegt haben. Abgesehen davon sorgen die regelmäßigen Software-Updates für eine reibungslose Funktionsweise.“
„Gut, ich danke Ihnen.“
„Keine Ursache, sollten doch einmal Probleme auftreten, so melden sie sich einfach direkt bei mir. Aber seien sie bitte in den ersten Wochen etwas nachsichtig mit den Kindern, ihre Programmierung ist weniger an Ihr I-Profile gebunden und passt sich noch dem persönlichem Verhalten an. . . . . … So, wir haben die Verbindung zu allen Dreien aufnehmen können, also möchte ich sie nicht länger behelligen. Wenn sie noch Fragen haben, wir stehen ihnen, wie gesagt, rund um die Uhr zur Verfügung! Gute Nacht!“
„Auf Wiedersehen und nochmals Danke.“

Während der Bildschirm sich wieder ganz schwarz färbt, greift er nach einer goldfarbenen Karte, die zusammen mit den anderen Papieren auf dem Tisch liegt: „Wir beglückwünschen sie recht herzlich zum Erwerb eines Androiden aus der iFamily-Reihe. Die K.I. Corp. hofft, sie mit diesem Produkt dem Traum einer glücklichen Familie ein großes Stück näher bringen zu können.“ Während er die Karte zurücklegt, schleicht sich ein zufriedenes Lächeln in sein Gesicht. Noch vor einem Jahr hatte er nur davon träumen können. Er öffnet eine der kleine Taschen, die offenbar mitgeliefert wurden, und nimmt ein gerahmtes Foto heraus. Es zeigt ihn mit seiner neuen Frau. Er begibt sich ins Schlafzimmer und stellt das Bild auf dem Nachttisch ab, neben andere Fotos, die ihn mit anderen Menschen zeigen. Wieder lächelt er kurz. Dann legt er sich aufs Bett. Vor dem Fenster rauscht ein eisiger Wind durch die Nacht. Niemand ist zu sehen. „Von jetzt an wird alles besser“, säuselt er vor sich hin, bevor er zufrieden einschläft.

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