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Wissen ohne Glauben

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Dieser Gedanke kam mir am 1.11.2004 während meiner Mathematikvorlesung (Stochastik):

Setzt jedes Wissen (das mit Verständnis und Einsicht einhergeht) nicht auch Glauben daran voraus?
Wenn ich in der Schule lerne, dass 1 + 1 = 2 ist, ist es nicht notwendig (zusätzlich zu dem eigentlichen Faktum) um tatsächlich dieses Wissen zu haben, dass ich auch daran glaube?
Ich meine damit nicht zwangsläufig Glaube im religiösen Sinn (obgleich auch diese Argumetation schon vorgekommen ist) sondern dieses Gewisse Quentchen undefinierbarer Einsicht, die dazu führt, dass wir solche Fakten (ohne grundlegende Beweise) akzeptieren und ihre Richtigkeit quasi erst durch wiederholtes Validieren im alltäglichen Gebrauch entdecken.
Denn ist es nicht so, dass im Grunde jegliches Wissen nicht jedes Mal wenn es benutzt wird neu verifiziert wird, sondern man nimmt einfach an (aus diversen teilweise logischen Gründen) und erwartet, dass bestimmtes Wissen Bestand hat?

So glauben wir zu wissen, dass jeden Morgen die Sonne aufgeht, weil wir:

- während der langen Zeit unseres Lebens x-mal erlebt haben, wie die Sonne morgens aufging
- wir in der Schule die Bewegung der Gestirne gelernt haben und aufgrund dieser Bewegung die Sonne in regelmäßgigen Abständen diese Seite der Erde beleuchten muß
[...mögliche andere Gründe...]

Doch wie oft sind wir tatsächlich morgens aufgewacht und die Sonne war schon "aufgegangen" ohne daß wir bemerkt haben, wie?
Und trotzdem nehmen wir ganz selbstverständlich an, dass die Sonne schlichtweg aufgegangen ist während wir noch schliefen.
Das scheint auch noch logisch, wenn wir z.B. die Sonne haben untergehen sehen, denn wenn sie untergegangen ist und jetzt aber wieder scheint, muss sie zwangsläufig in der Zwischenzeit wieder aufgegangen sein. Schwieriger wird es, wenn ich auch den Sonnenuntergang nicht erlebt habe z.B. wenn ich im Sommer ins Bett gegangen bin während es noch hell war und dann morgens erwache, wenn es 'schon wieder' hell ist. Wie kann man sich trotzdem noch sicher sein (und ich behaupte einfach, dass nur sehr wenige Menschen dies bezweifeln würden), dass die Sonne abend unterging und morgens wieder aufging?
Kann sie nicht einfach am Himmel geblieben sein, ganz im Gegensatz zu ihrem normalen Verhalten?
Astronomen würden sagen, dass die Sonne (bzw. ja eigentlich die Erde) sich der Sternenbewegung unterordnen muss, aber mal ehrlich, wer hat denn für Ottonormalmensch jemals glaubhaft bewiesen, dass sich diese Bewegung tatsächlich ereignet?
Geht das überhaupt? Müßte man nicht jeden Menschen einzeln ins All schicken damit er sich dieses Phänomen selbst anschauen kann und würden nicht selbst dann noch Möglichkeit des Zweifels bestehen bleiben?

Trotzdem bin ich morgens noch nie mit einem unguten Gefühl aufgewacht, weil ich nicht wußte ob die Sonne tatsächlich weg gewesen ist. Denn ich und wohl jeder andere Mensch glaubt einfach aus einem der o.g. oder anderen Gründen, dass die Sonne das tut was sie jeden Tag tut. Wir wissen es nicht sicher aber wir glauben es und damit ist es gut, denn es reicht unser Weltbild einigermaßen intakt zu halten.
Die Frage die sich mir stellte, bezieht sich quasi auf den Umkehrschluß.
Nehmen wir mal an ich würde nicht daran glauben, dass die Sonne IMMER morgens aufgeht und das obwohl ich o.g. Wissen besitze also mir im Klaren bin über die Planetenbewegung und obwohl ich es schon zig mal selbst gesehen habe, gäbe es dann überhaupt irgendeine Möglichkeit des Beweises, die mich von der 'Wahrheit' überzeugen könnte. Kann ich ohne den Glauben an dieses Wissen ebendieses überhaupt als Wissen akzeptieren?
Und dies bringt mich auf die Frage nach der Trennung von Glauben und Wissen. Niemand wird bestreiten wollen, dass es keine klare Trennung geben kann und dass die beiden Begriffe Teile eines im Endeffekt doch zusammenhängenden Systems sein müssen. Ich aber glaube! , dass es tatsächlich keine wahre [echte] Erkenntnis und kein scheinbar sicheres (also zufriedenstellendes) Wissen gibt, ohne dass man parallel dazu Glauben entwickelt. So hilft mir das (reichlich vorhandene) Faktenwissen der Mathematik, die logisch aufeinander aufgebauten Gesetze und herleitbaren Formeln, nicht wirklich weiter, wenn ich Zweifel an einzelnen Teilen oder gar am Gesamtsystem habe. Gerade Mathematik ist ein von Menschengeist konstruiertes System (das auf Beobachtungen und Feststellungen in der Natur basiert), welches, wenn man es in seiner ganzen Genialität erfassen will, notwendigerweise Verständnis und Erkenntnis erfordert. Wenn dies nun aber zwangsläufig mit Glauben einhergeht und aus nicht näher zu beschreibenden Gründen dieser Glaube ausbleibt, kann ich dann noch dieses Wissen/diese Erkenntnis gewinnen?
Ich kann nicht sagen, wie sehr all diese Dinge zusammenhängen und ob sich Glaube z.B. aus Wissen und Einsicht gewinnen läßt oder ob er a priori vorhanden sein muß, noch kann ich diese Frage aus der Erfahrung heraus beantworten. Trotzdem ist es, denke [glaube] ich, notwendig sich diese Frage zu Gemüte zu führen und eventuell das eigenen Wissen dahingehend zu untersuchen, ob es nicht grundlegend mit dem Glauben an eben dieses verknüpft ist. Dementsprechend werde ich auf diesem Thema durchaus weiteres Augenmerk legen...

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