YodaWiki : NurEinTraum

nur ein traum?!

Flap, flap, flap...

Immer wieder dieses Geräusch.

Flap, flap, flap...
Ich will noch nicht aufstehen...

Na gut, nur einen Spalt...

Waah, ist das hell...

Ich muß die Augen ganz langsam öffnen...

ich kann gar nichts erkennen...

Wind schlägt mir ins Gesicht... Es scheint ganz schön windig zu sein. Wo bin ich nur? Alles ist so hell? Bin ich tod?...
Ich höre Rauschen, das Rauschen von... Wellen! Es klingt wie das Meer. Ich taste mich langsam mit der Hand vor, hier scheint alles aus Holz zu sein... Aber was ist das. Iieh, das ist ja nass! *Gähn*
Bin ich etwa in einem Boot? Hmm, Meeresrauschen, meine Hand liegt in etwas Nassem und der Wind weht und macht Flap, Flap, flap... Möglich wär's schon... Ich glaub' jetzt kann ich auch was erkennen. Ja , ein Segel das über mir flattert als gäbe es kein Morgen. Strahlend weiß. Und die Sonne scheint dadurch und mir genau in Gesicht. Kein Wunder das ich nichts sehen kann...
Und um mich herum nur blaues Wasser... kristallklares blaues Wasser... Faszinierend, jetzt fällt mir auch langsam wieder ein wo ich bin.
Ich bin geflohen.
Gestern saß ich noch in so einem Großraumbüro, in einem kleinen Cubicle, und da waren noch zwei Dutzend andere Cubicles mit zwei dutzend anderen Angestellten... wie mir. Ich habe es nicht mehr ausgehalten... Versicherungen haben wir verkauft, am Telefon... Jedes Mal derselbe Text: "Einen schönen guten Tag, mein Name ist Kaysa von der Vereinigten Allgemeinen. Hätten sie eventuell fünf Minuten Zeit um mit mir über ihre Altersvorsorge zu sprechen?". Oder auch: "Darf ich sie fragen wieviel sie jetzt monatlich an Versicherung für ihr Auto bezahlen?"
Häufig hörte man dann nur den Hörer aufs Telefon fallen. Oder der Kunde meinte, er wäre doch in Eile und hätte jetzt keine Zeit dafür. Andere wunderten sich, wo wir ihre Nummer her bekommen hätten. Die denken wohl wirklich, die Angaben bei Kreuzworträtseln und Gewinnspielen sind nur notwendig, damit sie im Falle eines Gewinnes benachrichtigt werden können... Ts, ts, ts...
Trotzdem war das alles schon sehr demotivierend. Schon seit Monaten kam ich nicht mehr auf die nötige Anzahl von abgeschlossenen Verträgen. Mein Name steckte an der Pinnwand unter der Überschrift "Suboptimal". Ich konnte mich an Zeiten erinnern, da trennten mich nur Zentimeter vom obersten Platz, Verkäufer des Monats. Aber das war schon lange in weite Ferne gerückt.
Zuhause wartete meine Frau, selbst halbtags werktätig, mit dem Essen, dass noch nie besonders gut geschmeckt hatte, aber was erträgt man nicht alles aus Liebe. Wobei ich mir gar nicht mehr sicher bin, ob es das noch ist. Das Gute an meiner schlechten Leistung war, dass ich häufiger länger bleiben mußte und sie anrufen konnte, um ihr zu sagen, sie solle doch nichts zum Abendessen kochen, ich käme eh erst sehr spät in der Nacht.
Sie hatte nicht mal Angst ich könnte mich eventuell mit einer anderen Frau treffen, kein Anflug von Eifersucht! Traute sie mir offenbar nicht im Geringsten zu. Für sie war ich eh nur ein Versager. Kein bedauerndes Wort am Telefon, nur der deutliche Hinweis ich solle doch bitte die Mülltonne noch an die Straße rollen und ich möge doch bitte nicht so laut sein, wenn ich dann nach Hause käme...
Es hatte wohl alles keinen Wert mehr und eines Abends habe ich beschlossen nicht mehr nach Hause zu fahren
.....
Ich dachte mir: Das kann unmöglich Dein Leben sein. Ich hatte nichts von dem, was ich mir eigentlich erträumt hatte. Als ich noch ein Kind war, wollte ich mal Freizeitparks entwerfen. Ich malte oft an Entwürfen für Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte, dachte mir Themen aus, nach denen man Parkanlagen kreieren könnte.
Ich dachte mir damals, auf diese Weise könnte ich den Menschen Freude bereiten. Und darum geht es doch im Leben, oder?
Also zumindest glaube ich das. Aber meinen Eltern schien das wenig Freude zu bereiten. Sie lachten immer nur über meine Ideen. "Ja, ja Schatz", kriegte ich immer zu hören. Sie hatten das nie richtig ernst genommen, genau wie mich. Und als ich dann größer und älter wurde, kam es dann immer mehr zum Vorschein. Sie wollten, dass ich etwas Bodenständiges lerne. Viel Geld verdiene und so. Sie haben mir dann auch den Ausbildungsplatz... nahegelegt.
Und ich dachte: Wenn's denn sein muss...
Und heute tue ich genau das Gegenteil von dem was ich wollte. Die wenigsten Menschen sind richtig glücklich, wenn man ihnen eine Versicherung verkauft hat. Sie sind eher skeptisch...
Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Und dann fiel mir dieser Film ein. Der, in dem der Titelheld nicht weiß, das er Star einer Fernsehshow ist und alle um ihn herum nur Schauspieler sind. Und als er es dann herausfindet, flüchtet er. Mit einem Boot. Ich hatte die Idee immer gemocht. Ich meine, woher konnte ich mir sicher sein, dass das alles echt ist. War es Zufall, dass ich hier diesen Job machte. Meine Frau, mein Haus und mein Auto. Alles zufällig? Oder hatte es genau so im großen Skript des Schicksals gestanden? Woher würde ich wissen, dass die Menschen, die mir begegnen nicht alle Schauspieler sind. Ich meine, die meisten sagen doch eh nich was sie denken. Wir tragen doch alle Masken. Gibt es wirklich einen so grundlegenden Unterschied zwischen diesem Film und meinem Leben? Das hatte ich mich schon oft gefragt. Über dein Leben hast du die Kontrolle sagte ich mir manchmal. Das ist der Unterschied... Ist er das? Hatte ich es wirklich unter Kontrolle? Hatte ich es wirklich entschieden? Warum war ich dann unzufrieden mit meiner Entscheidung?
Und da war ich nun. Hals über Kopf abgehau'n, einfach so. Bin direkt nach der Arbeit zum Hafen runter und hab' mir ein Boot gemietet. Und bin rausgesegelt. Einfach so. Da war ich nun.
Als ich einschlief konnte man noch Land sehen, jetzt war ringsum nur noch Wasser. Und die Sonne strahlte. Welch' ein wunderschönes Gefühl! Genauso hatte ich es mir vorgestellt...
Aber wohin wollte ich eigentlich? Gar nicht so leicht die Entscheidung... Ich schätze, ich lasse mich einfach treiben. Schon wieder keine Kontrolle. Ich war wohl noch nie gut im Entscheidungen treffen.
Oha, dahinten ziehen aber dunkle Wolken herauf. Sieht nicht so gut aus finde ich. Da wird doch wohl kein Sturm auf mich zukommen. Naja, vielleicht zieht er ja vorbei. Wie steuert man eigentlich dieses Boot? Segel setzen und so konnte ich noch von einem Segeltörn, den ich als Jugendlicher mitgemacht hatte. Aber ob ich diesem Sturm entkommen kann... Oh oh, der Wind frischt ganz schön auf udn Wellen schlagen auch immer mehr aus. Warum hab' ich eigentlich kein Boot mit Motor genommen... Wär' doch auch egal gewesen. Naja, sei's drum. "Holt die Segel ein!" "Aye, Sir" Na klasse, Kapitän und Matrose in einer Person. Jetzt fängts an zu pissen. Das wird wohl doch ein wenig ungemütlich. Schnell noch alles schön festzurren und dann ab unter die Zeltplane. Hoffentlich geht das gut. Der Himmel ist jetzt komplett dunkel. Die Wellen sind bestimmt drei Meter hoch. Ist mir schlecht... schaukelt ja auch wie Sau. Ob das so eine gute Idee war? Ich bezweifle es bald. Jetzt hat's geblitzt. 1, 2, 3, 4.. Donner! Oh, gefährlich. Ich wünschte ich wär zu Haus. Nein, lieber nicht, das wär sicher noch schlimmer. Das hier ist wenigstens noch ein Abenteuer! Aber wenn die Wellen noch höher werden, werfen die mich um. Ich luke unter meiner Zeltplane hervor, unter der ich flach auf dem Bauch liege.
Was ist denn das da am Horizont. Oh Gott, sieht ja regelrecht nach einer Wasserwand aus. Ach du Scheiße!
Da hilft wohl nur noch festhalten und Beten. Kommt ziemlich schnell auf mich zu.. noch 200 Meter... Ich glaube, das war's dann... Gleich ist sie hier, die Mörderwelle...
Augen zu und durch... Adé du schnöde Welt...

*RUMMS*

Autsch! Das hat weh getan!! Ich sehe mich um... sieht aus wie mein Schlafzimmer. Es ist tiefste, finsterste Nacht 5.46 um genau zu sein. Ich bin wohl aus dem Bett gefallen. Ach du liebes bißchen. Voll auf dem Parkett gelandet. Es klopft an der Türe:
"Was machst du denn da drinnen für einen Lärm?"
"Entschuldige Schatz, aber ich..."
"Ja, ja, schon gut. Mach bloß nicht noch mal so einen Krach. Gute Nacht."
"Ja, Schatz. Schlaf gut." Grrr, ich könnte sie...
Jetzt ist wieder Stille. Ach was für ein schöner Traum. Schade eigentlich, dass es nur ein Traum war... Ich glaube, ich schreibe ihn auf. Sind ja noch ein paar Stunden, bis ich ins Büro muß... Moment, ähm, wie fange ich an... Gar nicht so einfach... Hach, diese dusselige Jalousie wird vom Wind immer gegen die Fenster geschleudert. Flap, flap, flap macht das andauernd... Kann man sich doch nicht konzentrieren... Flap, flap, flap...



Geschrieben zwischen dem 1. und 22. September 2005, davon ein großer Teil im Nordpark (3. September 05)...
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