YodaWiki : LeechinMatrixCorner

Leech in MatrixCorner


Leech wird, nachdem er bei StoneFox erfahren hat, welche Gefahren den Hackern und ihm drohen, von dessen Fahrer in einem neutralen Gefährt zu "Matrix Corner" gefahren. Diese Bar ist quasi ein geheimer In-Treff von Hackern jeglicher Gesinnung und denen die es werden wollen. Hier triftt man sowohl Geeks und Nerds als auch Script-Kiddies, Black-Hats direkt neben White-Hats. Offiziell ist das mehr oder weniger bekannt, allerdings gibt es einen geheimen Keller, den nur die besonderen Leute kennen und betreten können. Hier leben einige der großen Freelancer unter den Hackern und verstecken sich vor den Autoritäten, denen sie übel mitspielen. Das "Matrix Corner" liegt im alten Bahnhof direkt über einem der alten großen hard-wired Netzwerkknoten der Stadt. Hier haben schon die wahnwitzigsten Hacks stattgefunden, doch an kaum einem Ort ist man so geschützt vor Zugriffen jeglicher Art. Der alte Bahnhof ist ein besonderes Gebäude. Es wurde vor dem Bau der höher gelegen Ebenen der Stadt einer anderen Großstadt abgekauft, die im Begriff wahr von den Bewohnern aufgegeben zu werden. Kurzerhand wurde das gesamte Gebäude, dass bis dahin der Hauptbahnhof gewesen war, abtransportiert und auf eine der Hoverplattformen gesetzt, bevor diese vom Boden abgehoben haben.

Die Welt draußen war in ein graues Blau getaucht. Der Abend brach an. Hier drinnen war alles hell erleuchtet, bunte Werbeschilder strahlten mit dem goldgelben Licht der Leuchtröhren, die sich durch die gesamte Halle zogen, um die Wette. Beinahe so hell wie das Tageslicht. Aber durch die großen Panoramafenster konnte man die Welt da draußen sehen. Und die war blau. Grau-blau. Und es wurde Abend. Schneeflocken fielen vom Himmel. Sie fielen schon länger, aber der Boden war offenbar noch nicht kalt genug gewesen, denn es lag nur eine hauchdünne Schicht Schnee darauf. Und diese dünne Schicht kämpfte ums Überleben. Doch weil es jetzt abend wurde, hatten die Flocken im Grunde guten Chancen nicht sofort zu tauen. Vielleicht stürzten sich deswegen immer mehr dieser kleine Eissterne hinaus und fielen vom Himmel. Doch letztendlich würden auch sie irgendwann tauen, entweder früher, wenn jemand auf sie trat oder später, wenn am Morgen die Sonne wieder aufging und die Straßenbeheizung aktiviert würde. Und dann wäre der Boden nicht mehr weiß sondern nur noch feucht. Und grau. Doch auch diese Feuchtigkeit würde entweder verdunsten oder aber versickern.

Wie dem auch sei, es sah fast unwirklich aus, wie der Schnee da so herabglitt, draußen in der blau-grauen Welt. Wie eine Projektion auf einer Leinwand. Irgendwie unecht, flach. Als wäre es nicht wirklich die reale Welt. Aber tatsächlich war das die reale Welt. Und in dieser realen Welt hält ein Wagen direkt vor dem alten Bahnhofsgebäude, das so schön beleuchtet ist. Der Fahrer steigt aus, geht nach hinten und öffnet die Tür. Er hilft dem offenbar blinden Mann beim Aussteigen. Das ist es, was die Leute zu sehen bekommen. Wenn sie es denn sehen wollen. Sie wissen es nicht besser. Denn der Blinde ist nicht ganz so blind wie es scheint. Leech kann über sein mobiles Interface zumindest die Schemen in seiner Umgebung sehen. Häuser, Menschen, die künstlichen Bäume. Aber er erkennt nicht die Gesichter, die Farbe der Blätter, nichts dergleichen. Er sieht nicht, dass alles um ihn herum blau-grau ist. Und er sieht auch nicht den Schnee... aber er kann ihn spüren.

"Hat schon lange keinen Schnee mehr gegeben...erstaunlich." "Finden Sie? Also ich bin in Alaska aufgewachsen. Ich kann wirklich nichts erstaunliches an Schnee finden." "Schöne Landschaft da?" "Oh ja, durchaus beeindruckend aber, wie soll ich es sagen, man kann sich daran satt sehen. Irgendwann bemerkt man es einfach gar nicht mehr." "Mmmh, das könnte mir wohl nicht passieren". Leech grinst. Leech fühlt die hauchdünne Schicht Schnee unter seinen Schuhen. Das meiste wird wohl geschmolzen sein. Und versickert. Ein paar Zentimeter nur, bis es auf die Wasserschutzschicht trifft und dann in die Abwasserkanäle geleitet wird. Die meisten denken wohl das Wasser verschwindet einfach so (wenn sie überhaupt darüber nachdenken) aber das stimmt so nicht. Leech erinnert sich. Er hatte mal einen Hack für die Wasserwirtschaftsbetriebe gemacht, irgendwas mit geplanten Entlassungen, denen man zuvorkommen wollte. War mehr ein Akt der Barmherzigkeit, denn das sind in der Stadt nicht unbedingt die Jobs, um die sich die Leute reißen. Aber da hatte er zum ersten Mal gesehen, wie clever doch die Infrastruktur der Stadt gelöst worden war. Immerhin hat quasi jede Hoverplattform ihre eigene Wasser-, Strom und Datenversorgung. Und alles funktionierte einfach, meist sogar vollautomatisch. Und wenn nicht, naja, dann kamen wieder Menschen ins Spiel... so ähnlich funktionierte auch das Computersystem. Die Firmen hatten fast alle ihre benötigen Arbeitsschritte automatisiert. Und wenn keiner dazwischen funkte, würde alles einfach so funktionieren. Doch jedes größere Unternehmen hatte sein kleine Abteilung mit Hackern. Die brauchte man immer dann, wenn etwas nicht funktionierte. Oder wenn irgendetwas Kreatives, Unerwartetes passierte. Wie zum Beispiel ein Angriff auf das Netzwerk.

Der Fahrer bringt Leech in das alte Bahnhofsgebäude. Man hat versucht alles hier so zu belassen, wie es urspünglich gewesen ist. Alte Lampen. Echte, fast schon antike, leuchtende Werbetafeln vom Anfang des Jahrhunderts. Wie in einem richtigen Bahnhof. Aber nur zwei Bahnsteige wurden tatsächlich noch benutzt, dort fuhr die U-Bahn. Ansonsten war das alles eher eine Touristenattraktion. Und unten im Keller war das "Matrix Corner", auf den ersten Blick eine eher unscheinbare Kneipe, wie es in der Umgebung dutzende gab. Etwas größer zwar aber durchaus nicht untypisch. Aus baulichen Gründen wurde der komplette Unterbau des Gebäudes, also Keller und andere Tunnel, im Originalzustand erhalten und die Hoverplattform eingefasst. So ist dieses Gebäude das einzige auf der ganzen Plattform, dass ein komplett autarkes Kellersystem besitzt. Ein idealer Schlumpfwinkel, denn kaum jemand kennt sämtliche Gänge und Räume.

Im Gegensatz zu "echten" Bahnhöfen (es gab natürlich keine richtigen Züge mehr, sie hätten zwischen den verschiedenen Plattformen und Ebenen der Stadt überhaupt keine Verbindungsmöglichkeiten), gab es hier keine Penner und Hausierer, kein Müll lag herum und überhaupt wurde jedr Besucher schon am Eingang durch interaktive Warnschilder dazu genötigt, dieses Gebäude als eine Art Tempel zu betrachten, dessen Verschmutzung einer Todsünde gleich kam. Im Grunde war man angehalten nicht einmal zu fluchen, denn schon das wäre diesem heiligen Ort gegenüber unangemessen. Am liebsten hätte man es wohl, wenn am Eingang alle ihre Kopfbedeckung abnähmen, sich die Hände in geweihtem Wasser wuschen und ihr Schuhe auszögen.
Ähnlich wie im Microsoft House, drüben in der Redmond Street. Das war das Letzte Überbleibsel eines riesigen Softwarekonzerns, der zwanghaft der stetig wachsenden OpenSource-Gemeinde paroli bieten wollte. Und während andere große Konzerne nach und nach auf OpenSource Software umstellten oder zumindest in ihr Angebot integrierten, gehörte Microsoft zu den wenigen Firmen, die resulut auf die angeblichen Vorteile klassisch-kommerzieller Software pochten. Doch letztendlich löste freie Software in beinahe allen Sparten die MS-Produkte ab. Es gibt unter älteren Hackern noch immer den Brauch am 12. April nur so zum Spaß Windows auf ihren Maschinen zu installieren, weil an diesem Tag im Jahren 2010 erstmal mehr freie Betriebssystem weltweit benutzt wurden als Windows.
Danach war die Zahl von Windows-Nutzer immer rückläufig, bis aus dem Großkonzern innerhalb weniger Jahre das wurde, was der Name vermuten läßt: Eine Mikro-Softwarefirma.

Nur echt antiquierte User (meistens arme Schlucker) und ganz beinharte Microsoft-Anhänger benutzen heute noch MS Software, die eben allesamt im Microsoft House programmiert werden von einer Hand voll Veteranen. Aber die Firma ist im Grunde eine Mischung zwischen Museum und Kathedrale. Und am Eingang nehmen die letzten Jünger ihre Kopfbedeckungen ab und waschen sich die Hände im Wasser bevor sie sich meditativ in ihre Cubicles zurückziehen um das nächste Windows Update in die Kisten hacken. Die Schuhe dürfen seit einiger zeit anbleiben, weil immer mal wieder Leute aus dem Apple Tower gegenüber vor Lachen aus dem Fenster gefallen waren. Dafür knien wohl wieder regelmäßig Pilgergruppen vor dem digitalen Foto von William Gates III.
Eigenartige Zeitgenossen...

Leech verabschiedet sich an der Treppe von seinem Fahrer. Es soll nicht jeder sofort sehen, dass er Hilfe hat. Man weiß nie, wer sich alles da unten rumtreibt. "Mr. Fox hat mich angewiesen, ihnen zur Verfügung zu stehen. Sie können mich jederzeit kontaktieren, falls sie ein Fortbewegungsmittel benötigen." "Danke. Wir werden sehen." Leech steigt die Stufen hinab. Der Lärm, der oben in der Haupthalle allgegenwärtig ist, flaut langsam ab. Es können gar nicht so viele Leute dort sein, offenbar wird der Saal zusätzlich mit akustischer Bahnhofsatmosphäre beschallt.
Nur ein giftgrünes Neon Schild hängt über der mächtig wirkenden Eisentür. Leech kennt sich hier gut aus, früher war er hier sehr regelmäßig anzutreffen. Doch dann zog er sich, richtete sich seinen "Arbeitsplatz" zu Hause ein. Hier wurden es immer mehr Anfänger, die einen, so wichtig der Nachwuchs auch war, meist nur von der Arbeit abhielten.

"Hoffentlich haben sie hier nichts verändert...", denkt sich Leech. Dann spaziert er geradewegs auf die massive Tür zu, die scheinbar nirgendwo einen Griff oder eine Art Türknauf zu haben scheint. Leech läuft stur darauf zu und wird eher schneller als langsamer. Ein Schritt noch, dann steht er direkt davor. -Never change a running system- Und noch ein Schritt...

Leech steht inmitten eines grün beleuchteten Raumes...

the rabbit hole


Matrix Corner hat einen 1:1 Repräsentation im dreidimensionalen CyberSpace. Allerdings ist die virtuelle Variante quasi dynamisch umbaufähig und kann für spezielle Events einfach "umgerendert" werden. In der virtuellen Location finden zehntausende von Avataren virtuellen Platz (was natürlich auch daran liegt, dass ein Avatar hier nicht wirklich physisches Volumen besitzt), während in der realen Welt schon 100 Leute genügen um die verwinkelte Bar zu überfüllen. Im Grunde ist es nicht viel mehr als mehrere ehemals durch dicke Wände getrennte Kellerräume, die selbst nachdem eben diese Wände nahezu komplett entfernt wurden, genug versteckte Ecken bietet damit sich die Gäste nicht zwangsläufig gegenseitig sehen können. Dieser Effekt wird durch spärliche Beleuchtung an den Tischen noch unterstützt. Lediglich die ca. 15m lange Bar an der einizige durchgängigen Wand ist durch knallgrüne Neonleuchten derart aufdringlich illuminiert, dass einem schon nach fünf Minuten die Tränen in die Augen treibt, wenn man sie ansieht.

Alle diese Eigenschaften treffen im Grunde auch auf die virtuelle Location zu. Aber aufgrund des starken Andrangs wurden sämtliche Räumlichkeiten vergrößert und durch zusätzliche Räume ergänzt. Durch das Netz können hier z.B. Menschen von überall her an Konzerten im "MC" teilnehmen. Meistens finden solche Events (schon aus Kostengründen) nur noch on-line statt, auch um die arbeitenden Hacker, die sich in der realen Welt immer hier zu versammeln pflegen, nicht zu stören.
Die Technik um diese virtuelle Realität in die Köpfe der Leute zu projizieren hat Leech maßgeblich mitentwickelt. Zusammen mit einem Kumpel der schon bei (Name der Firma) mit ihm gearbeitet hatte. Vor dem Unfall.

Nächste Woche war wohl wieder solch ein Event geplant. Ein HoloPoster, dass hier überall die Wände zierte, kündigte an, dass das "MatrixCorner" einen Konzertmarathon veranstaltet. On-Line versteht sich. Die meisten Gäste, die im virtuellen MC dieses Konzert besuchen, werden in der realen Welt irgendwo anders sein. Und auch die Künstler werden nicht tatsächlich dort sein, sondern lassen ein holographisches Abbild von sich aufzeichnen, welches dann in der virtuellen Welt performt. Darum werden auch einige Künstler auftreten können, die eigentlich dazu nicht mehr in der Lage sind. Weil sie z.B. schon tod sind.

unter den so genannten Class Ex befinden sich immer wieder Aufzeichnungen von Konzerten aus den Neunziger Jahren, wo es noch keinerlei Holo-Technik gegeben hatte. Aus alten Fernsehaufnahmen werden holografische Bilder generiert, eine Technik, die Leech maßgeblich mitentwickelt hat.


main page
characters: Jack, Leech, Father Tecks, Tridia, StoneFox
scenes: Der Anfang, Inside a rotten building, Es hat geregnet, Leech auf der Flucht, Leech in "Matrix Corner"
close-to-ready: Prolog, ChapterOne
glossar: CSB, LeechsInterface, Hacker, HackerKernel, Corp10

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