YodaWiki : SoziologiedesHackers

Ein Portrait von J. Random Hacker


Im Anhang des „Hacker's Dictionary“ (auch „Jargon File“ genannt) findet sich eine kurze Charakterisierung des durchschnittlichen Hackers. Ich werde dieses Bild zunächst skizzieren und dann kommentieren.

Generell machen Hacker einen intelligenten, eventuell leicht eigentümlichen Eindruck. Sie sind eher sehr schlank als sehr dick, wichtig ist aber, dass die jeweiligen Extreme mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit auftreten. Sie sind selten braungebrannt (sogenannte Kellerbräune).
Moderne Hacker tragen in der Regel legére Kleidung wie T-Shirts (oft mit Slogans bedruckt, seit den 90er Jahren auch Computer-spezifische Aufdrucke), Jeans und Turnschuhe. Sie haben häufig lange Haare und Bärte. Es gibt auch eine Minderheit, die 'Outdoor'-Kleidung bevorzugt.
Seit 1995 fanden auch Stilmittel aus der Punk-, Gothic- oder Ravekultur ihren Weg in den Hackerstil, so tragen viele Hacker hauptsächlich schwarze Kleidung (auch weil man Schmutz darauf kaum sieht). Sehr extrovertierter Körperschmuck kommt allerdings nur selten vor.
Ansonsten kann man sagen, dass Hacker Wert auf komfortable, funktionale und unaufwändige Kleidung legen und entsprechend wenig Wert auf ihr Äußeres. Das kann im Extremfall aber auch zur Vernachlässigung der Körperhygiene führen. Anzüge und jegliche Kleidervorschrift werden kaum toleriert und da wo der Hacker es nicht vermeiden kann, versucht er gezielt die Kleiderordnung zu unterminieren. Weibliche Hacker vermeiden auffälliges Make-Up und viele verzichten komplett darauf.
Hacker lesen grundsätzlich viel, vor allem naturwissenschaftliche Bücher und Science-Fiction. Aber die Themengebiete sind nicht darauf beschränkt, häufig haben Hacker eine sehr breite Auswahl an Bücher zu Hause (die sie auch gelesen haben), aber sie reden nicht viel darüber. „Many hackers spend as much of their spare time reading as the average American burns up watching TV...“ (Jargon File)
Überhaupt gibt es zahlreiche Hobbies, die mit Hackern assoziiert werden wie zum Beispiel Science-Fiction, Musik, Schach, Backgammon und andere intellektuelle Spiele. Auch Rollenspiele werden oft mit Hackern assoziiert, aber diese haben durch ihre starke Kommerzialisierung in der Kultur an Boden verloren. Auch Linguistik ist ein weniger häufig aber doch stark vertretenes Hobby bei Hackern.
Sport und physische Aktivität mögen viele Hacker nicht und verzichten daher komplett darauf. Sie sind auch passiv eher selten an Sport interessiert. Sportliche Hacker vermeiden insbesondere Teamsportarten, der Hacker ist in der Regel ein Einzelgänger und diesen Sportarten daher nicht sonderlich zugänglich . Volleyball war lange Zeit eine Ausnahme, wahrscheinlich weil es kaum Körperkontakt gibt und auch relativ freundlich zugeht. Hackersport ist meistens auf die persönliche Herausforderung fokussiert und hat irgendwie mit Konzentration zu tun: Kampfsportarten, Fahradfahren, Wandern, Bergsteigen etc. sind nur einige Beispiele. Häufig haben die Sportarten auch mit kompliziertem Equipment zu tun, das der Hacker meistern muss (z.B. Drachenfliegen). Dann kommt es eben darauf an die Gegenstände zu beherrschen und Macht über das Gerät ausüben zu können. Kampfsport ist besonders hervorzuheben, weil in den meisten Varianten hacker-verwandte Ideale vorkommen wie Selbstdisziplin oder Konzentrationfähigkeit. Gegenwärtig ist es ganz normal, dass Hacker sich in Kampfsportarten engagieren und es gibt zahlreiche Parallelen zwischen beiden Kulturen, durch die beide stark miteinander verbunden sind. So setzte sich im Hacker Slang die Analogie zwischen dem Programmieren und Kung Fu durch und man spricht von „Code-Fu“ oder speziellen Skills wie „HTML-Fu“. Das Meister/Schüler-Prinzip aus dem Kung Fu wird ebenfalls gerne als Vorbild in Hackerkreisen verwendet: Der Schüler erlernt das Wissen des Meisters und verbessert seine Fähigkeiten sukzessive bis er selbst die Nachkommenschaft ausbildet.

Hacker sind in der Regel gut ausgebildet, meist haben sie ein Studium absolviert oder sich selbst bis zu einem vergleichbaren Level das Wissen beigebracht, wobei der zweiten Gruppe meist größere Motivation zugeschrieben wird. Akademische Bereiche aus denen Hacker stammen können sind (neben Informatik und Computertechnik) die meisten naturwissenschaftlichen Fächer, Linguistik und Philosophie. Der universitäre Hintergrund entstammt noch der Ursprungsgeschichte der Hackerkultur, denn dort waren Anfang der sechziger Jahre die ersten Computer vorhanden und führten zur Entstehung der Kultur. Ebenso wichtig war die Erfindung des ARPANET, das ja zunächst nur unter Universitäten Anwendung fand. Dazu aber mehr im Abschnitt „Entstehungsgeschichte“.

Diese Beschreibung, wenn sie teilweise auch schon etwas zurückliegt, trifft in großen Teilen immer noch auch auf die Hacker der aktuellen und nächsten Generation zu. Es hat noch keine große Popularisierung der Hackerkultur eingesetzt, auch wenn es mittlerweile nahezu jedermann offen steht sich einen Computer ins Zimmer zu stellen und auch Anfänger mit der richtigen Software schon erstaunliche Dinge tun können, ohne zwingend wissen zu müssen, was eigentlich dabei vor sich geht. Hacker stellen noch immer ein Elite dar. Da der Hacker aber per Definition allen Eigenschaften, die Menschen ausmachen können, grundsätzlich flexibel gegenüber steht, ist es nicht auszuschließen, dass Personen, die dem skizzierten Bild nicht entsprechen, sich trotzdem durch ihre Fähigkeiten auf den wirklich wichtigen Gebieten in die Gemeinschaft integrieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass das hier gezeichnete Bild im Grunde den Durchschnitt wiedergibt und dabei aber nicht abweichende Beispiele ausschließt. Das ergibt sich im Grunde zwingend schon aus der Hackerethik. Andersherum ist festzustellen, dass nicht jeder Experte im IT-Bereich, nicht jeder Informatikstudent oder ähnliches automatisch ein Hacker sein muß. Natürlich ist festzustellen, dass durch die Popularität des Computers sehr viel mehr Fans versuchen, den Hackern nachzueifern. Dies erklärt die Beliebtheit von Howto's wie „How to become a hacker“ und die zahlreichen Foren, in denen sich vornehmlich Wannabees und Skript-Kiddies austauschen. Dies hat auch zu der Kehrseite der Hackerkultur, den Crackern, den Untergrundgruppen etc. geführt. Von diesen distanziert sich jedoch die "Kerngruppe" der Hacker (irritierend wirkt sich aus, dass auch Untergrundgruppen sich häufig als Hacker bezeichnen) und darum müssen obige Aussagen auf diese nicht zutreffen.
Allerdings gibt es große lokale Disparitäten zwischen dem jeweiligen üblichen Bild des Hackers. So ist bespielsweise in Deutschland der CCC das Synonym für Hackertum, der sich wiederum stark für Datenschutz etc. engagiert. Eben dieser Verein wird in den USA mit den Crackern assoziiert, also jenen undisziplinierten Computergeeks, die in Computersysteme einbrechen. Das Bild ist also keineswegs so homogen, wie man glauben möchte.


CategoryHacking
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