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Anfänge von Hackertum


Die Geschichte des Hackertums beginnt schon Anfang der der 1960'er Jahre. Die Mitglieder des „Tech Model Railroad Club“ am MIT (Massachusetts Institute of Technology) begannen sich mit dem neu angeschafften Rechner PDP-1 zu beschäftigen. Richtig interessant wurde es allerdings mit der Anschaffung des TX-0: „Filled a small room, but in the late fifties this $3 million machine was world's first personal computer for the community of MIT hackers that formed around it.“ [Levy, 12]
Da dieser Rechner direkt zugänglich war und nicht von Administratoren bedient wurde, war er das ideale 'Spielzeug' für die Hacker, die sich freilich zu dieser Zeit noch nicht als solche bezeichneten.
Erste Anwendungen waren z.B. Programme zum Umwandeln arabischer in römische Zahlen, oder ein Programm, dass über eingebaute Lautsprecher so etwas wie Musik wiedergeben konnte. Auch waren die MIT Hacker die ersten, die z.B. Rechenaufgaben von Computern ausrechnen ließen, ein Sakrileg, da die teuren Maschinen eigentlich für 'höhere' Aufgaben gedacht waren.
Nacht für Nacht -die Maschine konnte von den Hackern nicht tagsüber verwendet werden- trafen sich die Hacker um vorher auf Lochstreifen gestanzte Programme in den Computer zu überspielen und die Ergebnisse zu überprüfen. Dabei etablierten sie auch das erste Debugging-System, also ein Programm, dass es erlaubte Fehler während des Ausführens zu lokalisieren und zu reparieren. Ansonsten beschäftigten sie sich mit neuen Anwendungen, diskutierten den Erfolg oder das Versagen eines Programmes oder modizifzierten auch schonmal die Maschine in technischer Hinsicht. Viele der MIT Hacker waren keine erfolgreichen Studenten, fehlten sie doch häufig in ihren Kursen und widmeten ihre gesamte Zeit dem Hacken.
Die Kultur um die Hacker entstand im Grunde nebenbei genauso wie die Hackerethik. Steven Levy hat sie in seinem Buch, das sehr viel später erschien, erstmals aufgeschrieben.
Die weitere Entwicklung ist sehr stark gezeichnet von der parallel verlaufenden technischen Entwicklung.
Im Jahre 1969 entstand das ARPAnet, ein Vorläufer des Internet. Für die Hacker bedeutete es, dass Hacker aus dem ganzen Land (das ARPAnet verknüpfte viele amerikanische Hochschulen) miteinander kommunizieren konnten. „Its electronic highways brought together hacker all over the U.S. in a critical mass; instead of remaining in isolated small groups each developing their own ephemeral local cultures, they discovered (or re-invented) themselves as a networked tribe.“ [Raymond, „Brief history of hackerdom“]
Die Vernetzung muss also als ein grundlegender Schritt bei der Entwicklung der Hacker hin zu einer Subkultur verstanden werden. Diskussionen über Hackerethik, der Hacker Slang und Hacker-bezogene Reflektion fanden erstmals über dieses Netzwerk statt. Insbesondere entstand so auch die erste Version des 'Jargon File', eines Lexikons über Hackersprache, dass zusätzlich bestimmte Eigenschaften der Hackerkultur definiert.
Das ARPAnet wurde demnach auch nicht nur zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet sondern auch zweckentfremdet für soziale Anwendungen. Eine der Ersten dieser Art wurde die Mailing Liste SF-LOVERS, einer Plattform für Science-Fiction Fans.

Die Achtziger Jahre / Konkurrenz untereinander


Der nächste große Einschnitt läßt sich auf die Entstehung von Unix zurückführen. Aufgrund der verschiedenen Aufgaben die verschiedene Anwender mit den vorhandenen Maschinen bewältigen wollten, war Computerzeit in der frühen Zeit stark nachgefragt und Computerbetriebssystem sollten möglichst diesem 'Time-Sharing'-Aspekt Rechnung tragen. Es gab schon früher Ansätze dafür, aber erst Unix konnte dies wirklich gut und zudem benutzerfreundlich umsetzen. Parallel dazu entwickelte der Hacker Dennis Ritchie eine Programmiersprache namens C, die man unter Unix benutzen konnte. Unix selbst wurde dann auch in C portiert und dieser Schritt brachte ernorme implizite Veränderungen mit sich. Bislang hatte jeder Computer seine ureigene Programmierung und Betriebssystem, die nicht untereinander ausgetauscht werden konnte. Unix konnte aber auf Maschinen unterschiedlicher Typen portiert werden so, dass auf allen Rechnern das gleiche 'Gesicht', die gleichen Befehle und -mit C- die gleiche Programmiersprache zur Verfügung stand. Man war nicht mehr an Maschinen eines bestimmten Typs gebunden. Dies ermöglicht eine völlig neue Gruppe von Hackern.

Als eine weitere Bewegung entstand außerdem noch eine neue Generation von Hackern, die BASIC programmierten.
1980 existierten also drei größtenteils disjunkte Gruppen von Hackern:

  1. Die ARPAnet/PDP10 Kultur, aus der alles hervorgegangen war
  2. Die Unix und C – Gruppe mit den PDP-11 und VAX Maschinen und
  3. Die 'anarchische Horde von frühen Mikrocomputer-Begeisterten, die Computerpower unter das einfache Volk bringen wollten' (BASIC)

[Raymond, 'The end of the elder days']

Die erste Gruppe sah sich ihrer schwindenden Bedeutung für die Hackerkultur gegenüber und verschwand relativ bald als man die Weiterentwicklung des PDP-10 einstellte. Ein Großteil dieser Gruppe lief zur Unix-Kultur über. Während dieser Zeit schrieb Steven Levy sein Buch „Hacker“ und seine Hauptinformant Richard M. Stallman, der Erfinder von emacs und laut Levy „the last true Hacker“, gründete die Free Software Foundation um gegen die Kommerzialisierung von Labor Technologien anzukämpfen.
Stallman begann mit der Entwicklung eines Unix Klons, der in C geschrieben werden und frei verfügbar sein sollte. Das Projekt hieß GNU (Gnu's Not Unix, eine rekursive Abkürzung) und gewann in der Hackerkultur sehr schnell an Bedeutung. Ein großer Teil der Traditionen und Ansichten der Original-Hacker wurde so erhalten und die Gegenwart gerettet. Die FSF würde die Ideologie der zukünftigen Hacker maßgeblich mitbestimmten und Stallman würde zur bislang größten Heldenfigur in der Hackerkultur avancieren.
Anfang der 80'er entstanden auch neue Technologien wie Mikrochip und das Local Area Network, die maßgeblich zur Verbreitung der Computertechnik beitragen würden und es entstanden die ersten sogenannten 'Workstations'. 1982 gründete ein Gruppe Unix-Hacker Sun Microsystems und verkauften fortan relativ billige Computer an Universitäten und Firmen, während auch diese System für Privatpersonen noch unerschwinglich waren.
Erst ab dem Jahr 1987 kamen günstige Personal Computer auf den Markt, die auf den Intel 386 Chips basierten und erstmal Hackern erlaubte zu Hause Maschinen zu besitzen, deren Leistungsfähigkeit signifikant war.
Zu dieser Zeit entwickelte sich ein neue Gruppierung, denn auf vielen IBM-kompatiblen PCs lief zu dieser Zeit MS-DOS. Die MS-DOS Nutzer waren aber nicht vernetzt, noch hielt sich dieser Trend lange genug, als dass sich eine neue Kultur aus ihr hätte bilden können. Es gibt daher im Grunde keine signifikante Gruppe von MS-DOS- Hackern. Hacker blieben zeitlebens bei Unix-Betriebssystemen, auch wenn die kommerziellen Varianten sehr teuer waren und keines der freien Projekte bis dato durch Erfolg aufgefallen war.
Für die breite Masse nutzte Microsoft diese Zeitspanne der Starre in der Unix-Kultur um mit ihrem 'Windows' den Markt zu übernehmen.
Anfang der Neunziger Jahre war man geneigt das baldige Ende von Unix zu prophezeien. Verschiedene proprietäre Unixe hatten den großen Vorteil der Plattformunabhängkeit zunichte gemacht. „The first generation of Unix hackers seemed to be getting old and tired [..]“ [Raymond]

Die Neunziger / Rettung durch Linux


Hier beginnt die Geschichte eines Studenten der Helsinki Universität namens Linux Torvalds. 1991 begann er die Entwicklung eines freien Unix Kernels für Intel 386-kompatible Maschinen auf der Basis der Tools von der Free Software Foundation. Sein schneller Erfolg (die Gründe dafür werden ich an anderer Stelle näher untersuchen) macht viele Hacker auf ihn aufmerksam, die ihm bei der Entwicklung halfen.
Es gab sogar Konkurrenz, denn in etwa zeitgleich wurden die Quellen von BSD Unix auf den 386'er portiert, daraus sollten später die freeBSD/netBSD/OpenBSD Projekte werden.
Linux wurden zunächst geringere Chancen eingeräumt, aber das Projekt, das von zahlreichen Hackern nur über das Internet programmiert wurde, erreichte sehr schnell eine hohe Qualität. Gegen Ende des Jahren 1993 konnte Linux in der Stabilität und Verlässlichkeit mit kommerziellen Unixen mithalten. Diese gesamte Entwicklung fand allerdings außerhalb des öffentlichen Interesses und auch außerhalb des Interesses der meisten Hacker statt. Die Popularität von Linux sowohl unter Hackern als auch in der breiten Öffentlichkeit entwickelte sich erst in den folgenden Jahren auch weil die rasante Verbreitung des Internets diesen Trend stark unterstützte. Die fast schon totgeglaubte Hackerkultur hatte durch diese neuen Technologien wieder neue Impulse bekommen.
Etwa ab 1997-98 wurden Linux und Open Source-Software primärer Fokus des Engagements von Hackern. Der Erhalt von freier Software und der Kampf gegen Zensur (vor allem im Internet) sind essentielle Bestandteile der Hackerkultur geworden. Dabei hat die Hackerkultur ein komplett neues wirtschaftliches und soziales System für die Programmierung von Software begründet, dass unter Open Source näher erläutert wird, und damit seine Rolle als eigenständige Subkultur gefestigt.


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